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Weniger Totalausfall, weniger echter Unterricht – Ministerium beschönigt Lage an Schulen
Die Landeselternschaft der integrierten Schulen in Nordrhein-Westfalen (LEiS-NRW) kritisiert die aktuelle Darstellung des Schulministeriums zur Unterrichtsversorgung als irreführend und realitätsfern. Der Rückgang des ersatzlosen Unterrichtsausfalls auf 4,4 Prozent wird als Erfolg gewertet. Gleichzeitig sinkt jedoch der Anteil des regulären Unterrichts gemäß Stundenplan von 78,3 auf 77,8 Prozent. Damit findet immer weniger Unterricht so statt, wie er vorgesehen ist.
„Das Ministerium feiert minimale Verbesserungen beim Unterrichtsausfall – und übersieht dabei den eigentlichen Rückschritt“, erklärt Kathrin Adler-Becker, stellvertretende Vorsitzende der LEiS-NRW. „Wenn immer weniger Unterricht nach Stundenplan stattfindet, verschlechtert sich die Bildungsqualität spürbar. Für die Schülerinnen und Schüler zählt nicht, ob irgendetwas stattfindet, sondern ob verlässlicher Unterricht erteilt wird.“
Was offiziell als „erteilter Unterricht“ gilt, umfasst zunehmend Ersatzformate wie Vertretung, Zusammenlegungen, Distanzunterricht oder eigenverantwortliches Arbeiten. Diese Formen können im Einzelfall sinnvoll sein, ersetzen aber keinen kontinuierlichen und fachlich gesicherten Unterricht.
Besonders betroffen sind die integrierten Schulen. Ihr pädagogisches Konzept basiert auf stabilen Lerngruppen, verlässlichen Beziehungen und individueller Förderung. „Gerade an integrierten Schulen ist diese Entwicklung besonders problematisch“, so Adler-Becker weiter.
Auch der Vorsitzende der LEiS-NRW, Harald A. Amelang, weist die Bewertung des Ministeriums deutlich zurück: „Diese Bilanz ist ein klassisches Beispiel für statistische Schönfärberei. Der Rückgang des ersatzlosen Ausfalls wird politisch ausgeschlachtet, während der Rückgang des regulären Unterrichts schlicht ausgeblendet wird. Das ist keine ehrliche Bestandsaufnahme.“
Amelang macht deutlich, worauf es ankommt: „Ein Bildungssystem ist nicht dann stabil, wenn Unterricht irgendwie organisiert wird, sondern wenn er planmäßig und qualifiziert stattfindet. Davon entfernen wir uns aktuell – und das muss endlich klar benannt werden.“
LEiS-NRW fordert eine ehrliche Bewertung der Unterrichtsrealität sowie eine klare politische Priorisierung des regulären Fachunterrichts. Insbesondere integrierte Schulformen benötigen eine verlässliche personelle Ausstattung, um ihren Bildungsauftrag erfüllen zu können.
Schülerinnen und Schüler brauchen keinen verwalteten Mangel, sondern verlässlichen Unterricht. Genau daran fehlt es zunehmend.
Harald A. Amelang
Team Vorstand
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