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Schulverpflegung und Bildungsgerechtigkeit
Die entscheidende Frage ist nicht, ob wir uns eine kostenfreie Schulverpflegung leisten können – sondern ob wir uns leisten wollen, weiter hinzunehmen, dass Kinder in NRW hungrig lernen müssen. Aus unserer Sicht ist die Antwort eindeutig.
Eine gerechte Bildungslandschaft endet nicht am Klassenzimmertisch. In Nordrhein-
Westfalen wird immer deutlicher, dass die Schulverpflegung zu einer zentralen
bildungs- und sozialpolitischen Stellschraube geworden ist. Rund 23 Prozent der
Kinder und Jugendlichen im Land gelten als armutsgefährdet – für viele von ihnen ist
das Schulessen nicht Ergänzung, sondern die wichtigste Mahlzeit des Tages.
Gleichzeitig ist die Schulverpflegung in NRW von erheblichen strukturellen
Ungleichheiten geprägt. Die Kosten für ein warmes Mittagessen variieren je nach
Kommune erheblich und liegen häufig zwischen 2,50 Euro und über 6,00 Euro pro
Mahlzeit. Diese Unterschiede sind nicht ernährungsphysiologisch begründet, sondern
Ausdruck unterschiedlicher kommunaler Finanzkraft und fehlender landesweiter
Steuerung. Chancengleichheit wird damit faktisch vom Wohnort abhängig gemacht.
Zwar existiert mit dem Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) ein
Unterstützungsinstrument für einkommensschwache Familien, doch in der Praxis
zeigt sich dessen begrenzte Wirksamkeit: Komplexe Antragsverfahren, bürokratische
Hürden und Stigmatisierungseffekte führen dazu, dass viele anspruchsberechtigte
Kinder nicht erreicht werden. Zudem richtet sich das Instrument ausschließlich an
einzelne Kinder – nicht an die gesamte Schulgemeinschaft – und verhindert damit
einen inklusiven Ansatz schulischer Teilhabe.
„Armut und Unterstützungsbedarf existieren nicht nur an sogenannten
Brennpunktschulen“, betont Sven Pitzer stellv. Vorsitzender der LEiS-NRW e. V.
„Auch an vermeintlich privilegierten Schulen gibt es Schülerinnen und Schüler, die
auf eine kostenfreie Schulverpflegung angewiesen sind. Diese Kinder müssen ohne
Stigmatisierung und ohne bürokratische Hürden unterstützt werden.“
Vor diesem Hintergrund ist es aus Sicht von LEiS-NRW e. V. zwingend erforderlich,
die Schulleitungen vor Ort deutlich stärker in die Ausgestaltung der Schulverpflegung
einzubinden. Schulleitungen kennen die soziale Zusammensetzung ihrer
Schülerschaft, individuelle Bedarfe und schulorganisatorische Rahmenbedingungen
am besten. Sie müssen daher eine zentrale Rolle bei der Umsetzung und Steuerung
eines gerechten Verpflegungssystems spielen – jenseits pauschaler Zuschreibungen
einzelner Schulstandorte.
Die Landespolitik setzt bislang vor allem auf punktuelle Programme, etwa durch
geförderte Frühstücksangebote an einzelnen Grundschulen. Diese Maßnahmen sind
sinnvoll, bleiben jedoch fragmentiert und erreichen nur einen Teil der Schülerinnen
und Schüler. Gleichzeitig stehen Schulträger unter massivem Kostendruck durch
steigende Lebensmittel-, Energie- und Personalkosten. Die Folgen sind steigende
Elternbeiträge oder Qualitätseinbußen bei den Mahlzeiten.
Aus bildungswissenschaftlicher Perspektive ist diese Entwicklung
hochproblematisch. Zahlreiche Studien belegen den engen Zusammenhang
zwischen ausgewogener Ernährung, Konzentrationsfähigkeit und Lernerfolg.
Schulverpflegung ist daher kein Randthema, sondern ein zentraler Bestandteil von
Bildungsgerechtigkeit, Gesundheitsprävention und sozialer Integration.
LEiS-NRW e. V. fordert daher eine grundlegende Neuausrichtung der
Schulverpflegungspolitik in Nordrhein-Westfalen:
➢ eine kostenfreie Schulverpflegung für alle Schülerinnen und Schüler, unabhängig von Einkommen, Schulform oder Wohnort,
➢ eine verlässliche landesweite Finanzierung, die Kommunen entlastet und vergleichbare Standards sichert,
➢ verbindliche Qualitätskriterien sowie
➢ eine starke Einbindung der Schulleitungen, um bedarfsgerechte, stigmatisierungsfreie Lösungen vor Ort zu ermöglichen.
Kostenfreie Schulverpflegung ist keine zusätzliche Sozialleistung, sondern
eine Investition in Bildungsgerechtigkeit, Gesundheit und gesellschaftlichen
Zusammenhalt. Nordrhein-Westfalen verfügt über die notwendigen
Voraussetzungen, um hier eine Vorreiterrolle einzunehmen.
Jetzt braucht es den politischen Willen, Schulverpflegung als das anzuerkennen, was
sie ist: ein elementarer Bestandteil eines gerechten und leistungsfähigen
Bildungssystems.
Team Vorstand
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